"Göttliche Tränen"

Aus Elygor
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Aus den Schriften der Freiheit

- 2. Buch Raren, Kap. 4,7


Und eines Tages noch lange bevor Altan den Krieg in die Welt brachte, geschah es, dass Raren, die Schildmaid der Freiheit, ihr liebstes Spiel mit den Winden trieb, mit ihenen aufstieg und niederfiel, sich von ihrer zarten Liebkosung fortragen ließ nur um ihnen im nächsten Moment in beinahe unwirklicher Grazie vorrauszueilen. So zelebrierte sie die Freiheit in ihrem lieblichen Spiel der Winde Stunde um Stunde und Tag um Tag ohne dessen müde zu werden. Doch sie wähnte sich zu Unrecht allein unter den Ihrigen, denn wahrlich es war Altan, Herr der Flammen, der sie in ihrer Ekstase erblickte und nicht umhin konnte, sich an dem graziösen Anblick zu ergötzen.
Lange stand er regungslos gebannt, vom Spiele der Freiheit und so er sich dann von dem Anblick lösen konnte, war in seinem Geiste nichts als der Wunsch mit seiner Schwester völlig Eins zu sein. So bestieg er denn seinen Wagen aus reinen Flammen und stieg hinauf zu ihr, in dem unbändigen Willen sie zu umgarnen. Und wahrlich sein Mut und seine Kraft gefielen der grazilen Herrin der Winde sehr und alsbald waren sie schwerlich zu trennen. So lebten sie denn viele Äonen voll des Glückes zwischen Feuer und Wind.
Und wie der Wind das Feuer anfacht, so spornte Raren ihren Geliebten zu immer gewagteren Taten an und je größer seine Taten waren, desto mehr wuchs sein Zorn über das stetige Vergessen der Lebenden. So wurde Altan, der einst die Inkarnation der Kraft und der Freude über den eigenen Mut gewesen war, immer wütender und verfiel ganz der Trauer, bis schließlich alles Lachen und alle milde Freundlichkeit, die dem Mut eigen ist, mit den Winden seiner Liebe verflogen ward.

Eines Tages kehrte er mit einem Lachen der Missgunst wieder bei seiner Liebsten ein und schien in seiner diabolischen Freude ganz befreit von Kummer und Trauer. Raren, noch gefangen von der Schönheit, in der sich der Nordwind um die Bergspitzen Elygors wand, schrak auf und ihr ward sofort gewahr, dass ihr Liebster sich verändert hatte. Als er ihr sodenn berichtet hatte, fuhr sie auf vor Entsetzen und Ekel, vor der Tat ihres Mannes und wand sich von ihm ab um seine von Hass gezeichnete Fratze niemals mehr erblicken zu müssen. Doch Altan, sich seiner neuen Macht bewusst, lies die Herrin der Winde nicht ziehen und hielt Sie, deren größte Liebe doch immer die Freiheit gewesen war, gefangen, um ihrer Herr zu bleiben und die Welt nach seinem Bilde zu formen.

Doch Brama der Göttervater, den es zutiefst entsetzte was sein Sohn getan, sprach:" Jetzt wo der Krieg unwiederbringlich in das Reich der Sterblichen eingezogen ist und es die Zeit wäre zu trauern, wagst du, mein Sohn es auch noch die Hand gegen dein eigenes Blut zu erheben?" und in seiner unendlichen Weisheit gab er seiner Tochter die Kräfte der Magie, auf dass sie sich aus den Klauen des Gefallenen befreie und, als Hüterin der Freiheit, auf immer darüber wache, dass keiner der Götter Hand an den anderen lege und ihn seiner Freiheit beraube.

Und Raren, die sah wie es um ihre Kinder in Elygor stand, und wie sehr die Freiheit durch das Schlachten der Vargash leiden musste, weinte bitterlich um ihre vielen gefallenen Kinder und ihre Tränen fielen weit hinunter nach Elygor und drangen bis tief in die Seelen der Danjaby, so dass sich in jedem von ihnen bis heute ein Abglanz der Schönheit und Macht ihrer Herrin finden lässt. So ist es denn auch das Danjabyvolk, dass sich durch eine besondere Begabung zur Magie auszeichnet.
Und da Raren die Danjaby nach ihrem Ideal der Freiheit geschaffen, ist es an ihnen zu wählen, für oder gegen was sie sich der Mächte ihrer Schöpferin bedienen. So kommt es dass es in allen Zeitaltern, seit dem Fall des Reiches und wohl vereinzelt auch schon davor, unter den Magiegelehrten des Menschenvolkes immer wieder einige den Versuchungen des Schattens verfielen.