"Fern der Heimat"

Aus Elygor
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Der Traum

In meinem Traum, Ich sah ein Land
Fern von meiner Heimat
Kein Aug es je erblickt
Und kein Mann es je betrat
Fremd und doch so wunderschön
Mein Herz, es sehnt nach diesem

In meinem Traum, Ich betrat ein Land
Seltsam war es, ungewohnt und doch vertraut
Saftig grünes Gras unter meinen Füßen
Und frische Windesbrisen im langen Haar
Am Horizont ein unendlicher Gebirgszug
Und hinter mir die weite Steppe

In meinen Traum, ich erforschte ein Land
Erstieg schneebedeckte Gipfel
Und sah in alle Winde
Erblickte düstre Wälder
Reißende Flüsse
Und endlose Meere…

In meinem Traum, Ich schlief in einem Land
Legte mich in des Erdmutternschoß
Und sie ließ mich zur Ruh.
Hörte das Rauschen der Meere
Und das Pfeifen des Windes
Und über mir, der hell strahlende Stern

In meinem Traum, Ich liebte ein Land
Dessen ungezähmte Wildheit
Ließ mich vergessen
Die Schrecken in meiner Heimat
Stärkte mein Herz
Und schärfte meinen Geist

In diesem Land, von welchem Ich träumte, fließt mein Herzblut…



Logbuch des Criomnthan von Cimmerien

* 42. Herbsttag des Jahres 703

Wir haben den großen Ozean überquert. Es grenzt an ein Wunder, doch wir haben es geschafft, wenn auch wieder das Blut meiner Brüder und Schwestern fließen musste. Das Meer forderte seinen Tribut an uns und wir stellten ihn mit Blut… Von den drei Langschiffen mit denen wir die alte Welt Roathan verließen, kam eines an der Küste der neuen Welt an. Groß ist die Trauer, doch wird diese aus einem Gemisch aus heller Freude über unser glückliches Geschick und der Furcht vor einer unsicheren Zukunft überschattet. Die spärlichen Güter die wir mitnahmen, wurden nun noch spärlicher und rarer. Wir wissen nicht was uns erwartet in diesem wilden neuen Land. Bis vor kurzer Zeit spuckten noch die Mythen über diesen Kontinent in unseren Köpfen und jetzt betreten wir tatsächlichen diesen legendenumwobenen Boden. Doch bei all der Faszination die diese Tatsache auf mich und meine Männer ausübt, dürfen wir nicht unsere Pflichten jedem einzelnen uns gegenüber aus den Augen lassen. Ich sandte Späher aus, die das nähere Gebiet erkunden sollten, um einen geeigneten Platz für unser Lager zu suchen. Wir müssen schnellstmöglich an neue Ressourcen kommen, denn sonst sehe ich für das Volk des einstigen Cimmerien keine Zukunft mehr…


* 46. Herbsttag des Jahres 703

Die Späher die ich aussandte kamen endlich zurück. Ein Mann wird noch vermisst, doch wir können nicht warten. Zwei Tagesmärsche landeinwärts fand ein Späher so fruchtbare Erde, das er seinen Augen kaum trauen wollte. Wir sehen dies als gutes Zeichen - Die Erdenmutter ist uns wohlgesonnen und führt uns zu ihrem kostbaren Busen, an dem wir uns laben können.
Unser Langboot verwerteten wir so gut es ging. Die Schiffsplanken werden uns nützliche Dienste für unsere ersten Hütten liefern. Die Nächte werden immer kälter und so brauchen wir diese dringend. Mittags brachen wir endgültig auf. Jeder trug soviel er konnte, die Karren ächzten schon unter dem Gewicht ihrer Lasten, und doch mussten wir wertvolles Holz zurücklassen. Ich hoffe ich kann den Rest nachbringen lassen.


* 47. Herbsttag des Jahres 703

Die Stimmung unter meinen Brüdern und Schwestern ist getrübt. Der Himmel ist in eine triste, graue Melancholie verfallen und die Winde kommen nicht zur Ruh. Unsere Route ist beschwerlich und unwegsam und wir kommen nur langsamer als gedacht voran. Ein Karren blieb in einem Sumpf stecken. Wir teilten dessen Last auf die anderen auf.
Trotz aller Probleme bin ich zuversichtlich morgen nachmittags bei unseren langersehnten Siedlungsplatz anzukommen. Mögen die Götter uns gnädig sein.


* 48. Herbsttag des Jahres 703

Am nächsten morgen, gerade als die goldene Sonnescheibe ihre ersten Strahlen über den endlosen Horizont schickte, setzten wir unseren Weg fort. Wir kamen schneller voran als am gestrigen Tag. Ich denke die Männer und Frauen mobilisieren ihre letzten Kraftreserven um endlich zu diesem verheißungsvollen Platz zu kommen. Ich kann sie verstehen, auch mich selbst drängt etwas tief in mir, mich zu eilen. Die restliche Reise verlief problemlos und wir stießen auf den vermissten Späher, der nur zu tief landeinwärts gedrungen war um wieder rechtzeitig zurückzukommen. Was er berichtete verfolgte ich sowohl mit Interesse, als auch mit einer gewissen Sorge, da er von zivilisierten Siedlungen sprach, unweit des unsrigen Siedlungsplatzes. Wer weiß wie diese Ureinwohner auf uns reagieren?
Wie ich es geahnt hatte, erreichten wir gen Nachmittag die Stelle unserer zukünftigen Siedlung. Es ist ein Traum von einem Land. Ein weites, saftiges Weideland, im Westen gesäumt von dunklen, unerforschten Wäldern und im Osten von einem endlosen Panorama an Gebirgszügen, deren Gipfel einer höher und mächtiger ist als der andere. Der Erdenmutter sei dank für diesen großzügigen Platz… Noch am selben Tag fingen wir mit dem Bau an und schlugen die Grundpfähle für ein großes Langhaus in den Boden. Die Männer sind motiviert und die Frauen eifrig.

Wahrlich ich sehe es, dies wird eine großartige Siedlung, deren Name ab nun soll lauten: Vanaheim, Exil und Genesis der Überlebenden des einst stolzen Volkes Cimmeriens.


* 7. Wintertag des Jahres 703

Der Winter wütet in unserem neubesiedelten Land und mit ihm seine unbarmherzigen Geschwister, Kälte und Frost. Wir stellten den Rohbau unseres Langhauses zum Glück noch rechtzeitig fertig - So geschützt vor den Eisstürmen werden wir diese Jahreszeit sicher überstehen. Doch trotz der Kälte und des Schnees muss der Bau an unserer Siedlung fortgesetzt werden. Wir fingen an erste Baracken und Hütten zu bauen und uns Gedanken über die Verteidigung Vanaheims durch den Kopf gehen zu lassen. Wir wissen immer noch nichts über die Siedlungen in unserer Umgebung und sofern ich mir nicht ihrer Absicht bewusst bin, verhalte ich mich Vorsichtig und gehe kein Risiko ein. Meine Männer sind Hünen, ihre geübten Waffenhände stark und heißes Blut fließt pulsierend durch ihre dicken Venen, die ihre mutigen Herzen speisen, doch darf ich keinen von ihnen verlieren. Zu wichtig ist zur Zeit jeder Einzelne für uns…


* 13. Wintertag des Jahres 703

Der Schnee fällt…pausenlos…Ich sehe auf unser Land, stumm liegt es da und weiß, kaum ein Flecken brauner Erde oder grauen Fels ist zu vernehmen. Unser Vieh findet nichts mehr zu fressen auf dem gefrorenen Boden, doch werden unsere spärlichen Vorräte noch eine zeitlang reichen, bevor wir unsere Tiere Zwangsschlachten müssen.
Es ist seltsam, doch ich erwische mich immer öfters dabei wie ich verträumt in Richtung dieses geheimnisvollen, düsteren Wald westlich unserer Siedlung blicke. Es scheint als… Ich finde keine Worte um dieses Gefühl zu beschreiben, doch ich werde dem auf den Grund gehen…


* 15. Wintertag des Jahres 703

Immer mehr Baracken und Hütten werden fertiggestellt. Vanaheim wächst von Tag zu Tag und Teile eines starken Palisadenringes schützt unser Dorf schon. Es erfreut mein Herz wenn ich sehe mit welchem Fleiß und Eifer jeder Mann und jede Frau arbeiten. Soviel Schreckliches erlebt, so oft bluten müssen, ständig unter Entbehrungen gelebt, unvorstellbare Opfer erbringen müssen und trotz dem allem, haben sie noch immer Hoffnung und einen starken, unerschütterlichen Willen sich eine neue Existenz aufzubauen. Man muss uns Nordmännern eben erst jedem einzelnen das Haupt von den breiten Schultern schlagen, unsere Leiber verfaulen lassen und unsere Blutslinie vollkommen auslöschen, damit man sagen kann unser Volk besiegt zu haben und selbst dann leben wir in den Schlachtenliedern weiter die zu unseren Ehren bis in alle Ewigkeit gesungen werden!


* 21. Wintertag des Jahres 703

Mein Entschluss steht fest. Ich werde diesen Wald aufsuchen und sein Geheimnis lüften. Die letzten endlosen Nächte suchte er mich in meinen Träumen heim. Ich weiß es, er ruft mich, er verlangt nach mir. Unser Schamane spürt schon seit unserer Ankunft hier, eine gewisse Präsenz, doch mehr vermag er auch nicht zu sagen. Letztlich bleibt es doch an mir, einer scharfen Axt und meinem Instinkt. Im Morgengrauen werde ich aufbrechen, nur mit meinen zwei besten Kriegern an meiner Seite, vielmehr vermag ich dem Volke Vanaheims nicht zuzumuten für meine Hirngespinste, doch ich weiß, mein Verstand betrügt mich nicht und ist klarer denn je zuvor…