"Engelstraum"

Aus Elygor
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- Buch Mera (Angelium), Band 9/124/5, Blatt 30

Es begab sich an demselben Tage, dass dir im Traume ein Engel erschien. Eine deinesgleichen, eine wunderschöne Elfe, mit strahlend weißen Flügeln. Sie hatte ein makelloses Gesicht, so wunderschön man sich es nicht in Erinnerung behalten kann. Zwei helle, blaue Augen, umrandet von langen, dunklen Wimpern, strahlten ein Licht aus, sodass es deine ganze Seele erfüllte. Lange, schwarze Haare machten ihr Haupt noch schöner.

Einen vollkommenen Körper hatte die göttliche Elfe, nichts bedeckte ihn. Und eine Aura strahlte der Körper aus, etwas ganz Außergewöhnliches, dass du nie zuvor gespürt hattest, eine Verführungskraft der du nicht widerstehen konntest und dein Herz zum Schmelzen brachte.
So schön das Engelswesen auch anzusehen ward, so sehr dich auch dein laut hämmerndes Herz deinen Drang unhaltbar machte, so ward da noch etwas in diesem Traume. Denn des Engels Hände waren gefesselt an einem Grabeskreuz und der wunderbare Körper lag auf dessen Todesstätte. Und Würmer krümmten sich am Boden, pechschwarze, dicke Würmer, und sie krochen, viele, der Elfe hoch, die dich aus ihren liebevollen Augen ansah.
Und der Blick des gottgleichem Wesens ward voller Trauer und Schmerzen, obwohl keine Wunden oder andere Schändungen am Körper darauf hinwiesen. Und so sehr du auch dich am Anblick der Elfe erfreutest und verführen lassen hattest, so ist auch der Anblick der Trauer herzzerreißend.

Und der Engel begann dir zuzuflüstern, mit seinen wohlgeformten Lippen und einer Stimme, die wunderschön zu hören ward, hell, und dennoch, voller Melancholie und Trauer.

„Mera, der ich diene und du huldigst, hat einen Bund gegründet, durch ihren Sohn. Dieses Bündnis aus Elfen kämpft für die Ägide des Lichts, für die Freiheit und die Erlösung des Bösen. Und so du Mera verehrst, so begebe dich nun zu diesem Bund, der sich an den Grenzen des Elfenlandes befindet, und kämpfe mit ihnen. Denn es sind nicht alle frei, die ihrer Ketten spotten. Es ist nie zu spät das zu werden, was man hätte sein können, darum werde einer der ihren. Das Schicksal dieser Welt und dem Fortbestehen deines Volkes und der Wälder liegt auch in deinen Händen. Die Finsternis legt sich über Arûna, doch wir alle hoffen auf die vollständige Reinkarnation des Lichts. Denn die, die nur ihres Selbst sehen und nicht gegen die aufziehenden Schatten fechten, die werden weiterhin im Dunkeln dämmern und im Zweifel, wie des Winters Nachthimmel ohne Sterne...“

Und eine glitzernde Träne sickerte aus diesen liebevollen Augen und lief das Gesicht hinab, die Träne schimmerte hell, wandelte sich und verschwamm deine Augen, sodass du aus deinem Traume erwachtest...