"Der Neubeginn"

Aus Elygor
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Weit über tausend Jahre sind vergangen, seit Altan das Ende der bekannten Welt beschloss. Zu hunderten und aberhunderten schickte er seine Diener aus der Unterwelt, um seine Schöpfung und die Kreationen der anderen Götter zu vernichten. Nichts sollte überbleiben, kein Geschöpf überleben. Zu groß war sein Zorn, vergessen worden zu sein. Nicht einmal die Vargash, die ihm viele Jahrhunderte treu geblieben waren, wurden verschont.

Keine Vorwarnung, keine Möglichkeit sich darauf vorzubereiten. Der Untergang kam plötzlich.

Die Gelehrten bekundeten gerade das Ende des Herbstes im Jahre 715 des 2.Zeitalter, als sich die Unterwelt öffnete und riesige Heere von Trollen ausspuckte.

Hellgrüne von der Haut, mit Knüppeln groß wie Bäume bewaffnet. Dumm zwar, doch sie dienten nur einem Zweck und diesen erfüllten sie vortrefflich und ohne einen Zweifel an ihrer Überlegenheit zu lassen. Gewiss, einige fielen, doch für einen erschlagenen Troll wurde eine ganze Horde Trolle aus der Unterwelt entsand.

Zielsicher fanden sie jede Siedlung, jedes Haus, jedes Versteck mit jedem Krieger, jeder Frau und jedem Kind die sich darin verbargen.

Sie trugen das Feuer Altans, der Unterwelt mit sich. Gnadenlos verbrannten sie, was Generationen zuvor in harter Arbeit geschaffen hatten. Stolze Paläste, uneinnehmbar geglaubte Burgen fielen ebenso rasch, wie kleine Siedlungen, die erst wenige Monde zuvor gegründet worden waren.

Was die Trolle nicht vom Boden aus erreichen oder pulverisieren konnten, wurde von den mächtigsten aller Geschöpfe erledigt. Riesige Drachen, meist mit einem Rumpf, größer als zweihundert Rinder, vom Kopf bis zum Schwanzende länger, als sich die höchsten Monumente erstreckten. Allein ihr Anblick und ihr Atem ließ tausende von Kriegern vor Angst erstarren, oder, je nach Charakter, kopfüber flüchten. Doch selbst diejenigen die mutig kämpften, fielen. Manche nach wenigen Sekunden, manche erst nach Tagen. Doch sie fielen alle.

Fast alle sollte man meinen. Denn eine Insel, Montanus, war groß genug, verwinkelt genug, mit zahlreichen Bachläufen, tiefen Sümpfen und riesigen Gebirgen um wenigen Glücklichen Unterschlupf zu gewähren. Zunächst versteckten sie sich nur vor herumwandelnden Trollen und den endlos kreisenden Drachen, doch schon nach wenigen Wochen sahen sie ein, dass ihre Welt fortan von Trollen und Drachen beherrscht würde. So zogen sie sich mehr und mehr zurück, in die weitesten Sümpfe, dunkelsten Wälder und in die tiefsten Höhlen und Grotten, die Montanus auftat.

Monate vergingen. Leben wie es einst vorherrschte, exisitierte nicht mehr. Gebäude wurden nicht errichtet, keine Äcker bestellt. Der Handel erlosch. Aus Monaten wurden Jahre, in denen sich alle Rassen, gleich ob Dûrgen, Vargash oder Danjaby, zu Jägern und Sammlern von Kleinstlebewesen und Unkraut zurückentwickelten.

Auf der Oberfläche verlief es nicht besser. Trolle und Drachen, geschickt um zu zerstören, hatten keine Ziele mehr. Sie fingen an sich zu langweilen. So waren es die Drachen, die ihrer Überlegenheit wegen begannen, Trolle zu attackieren und zu verspeisen. Erst wenige und selten, dann täglich. Ein heftiger Krieg entbrannte. Doch Drachen leben nicht in Rudeln und so griffen sie einzeln an. Die riesigen Heere der Trolle verstanden sich zu wehren und die Verluste waren groß, auf beiden Seiten.

Altan erfreute sich an dem erneuten Schauspiel und belustigte sich über die Abwechslung die ihm geboten wurde, denn auch ihm wurde langweilig, nachdem die Schlacht geschlagen war. Doch er erkannte, dass auch die letzten Geschöpfe für immer aus seiner Welt zu verschwinden drohten und so verbann er sie zurück in die Unterwelt und die Oberfläche war wieder frei. Nur wenige die sich dem Befehl Altans widersetzen, blieben zurück.

Während sich die Oberfläche leerte, stand auch den alten Rassen in ihren Verstecken eine erneute Prüfung bevor. Der alteingeborene Hass, der in jedem Lebewesen steckt, wuchs in manchen Gruppen stärker als in anderen. Auch wenn Altan nicht mehr an die Existenz von Dûrgen oder Ethíel dachte, sein Einfluss blieb und er änderte zahlreiche von ihnen.

Es entstand Streit, aus Streit wurde fast ein Krieg und zahlreiche wurden verstoßen. Unter den Bergen, bei den Dûrgen ward die Macht Altans und die eingeborene Gier zu groß, als dass man sie hätte bändigen können. Wer sich nicht anschloss, wurde gemeuchelt und seiner Seele beraubt. So entstanden die ersten, die sich Nôgreni nannten.

Der Ursprung der Nasthíel liegt in der Zeugung der Tochter Meras, Alaniel. Im Lauf der Zeit, als Altan wieder grenzenlos gelangweilt war, verging er sich an der Schöpferin der Ethíel, und so entsprang den beiden eine Tochter, die äußerlich ihrer Mutter glich, doch von deren vielfacher Schönheit. Ihre Augen waren schwarz, und genauso ward ihr Haar von der dunklen Farbe. Wenn der Mond aufging, und die Nacht erwachte, wenn alles in Dunkelheit schlief, ward sie glücklich. Mit den Schatten verschmolz, und mit dem Wind spielte sie.

Und als ihre Mutter dies sah, packte sie die Angst um ihre Tochter, und sie ließ sie zu Nacht nicht mehr hinaus, aus Furcht, dass die Klauen der Dunkelheit sich um Alaniel legten und sie von ihr nahmen. Doch Alaniel konnte nicht fernab der Finsternis, und so weinte sie, Tag und Nacht, und ihre Mutter zeigte kein Erbarmen. So wuchs ein Hass, der tief in ihr schlummerte und ihre Seele zu verbrennen drohte. Tränen von Blut weinte sie, und Alaniel beschloss Kinder zu schaffen. Äußerlich sollten sie Ethíel gleichen, doch derselbe Hass sollte in ihnen brennen. Und sie tat es ihrer Mutter gleich, nahm Erde und Tau, doch anstelle von Licht bediente sie sich der Finsternis. Und blutige Tränen liefen ihr die Wangen hinunter und benetzten die Erde, so entstanden die Ersten der Nasthíel.

Wahrlich glichen sie Ethíel, doch waren sie voller Bosheit und Hass, und ihre Seelen waren schwarz und dürsteten nach Blut. Ihre Augen konnten sie in Schwarz wandeln wenn sie dies wollten und nachts waren sie in ihrem Element, wenn die Schatten herrschten und mit ihnen Eins wurden.

Zur gleichen Zeit, in den Gebieten, die dem inneren Unheil einhalt gebieten konnten, wurde die Geschichte des Untergangs von Generation zu Generation weitergegeben, auf das kein Versuch unternommen werde, die sicheren Verstecke, meist mehrere hundert Fuß unterhalb der Oberfläche zu verlassen.

Doch aus Jahren wurden Jahrhunderte. Die Geschichten verloren ihre Bedeutung, wurden unklarer. Der Glaube an ihre Echtheit bröckelte. Vereinzelte Gruppen von Abenteurern waren angetan von den Märchen, die von den Ältesten verbreitet wurden. Sie waren neugierig, auf diese phantastischen Wesen, die Trolle und die Drachen. Als die Warnung endlich ihre Kraft verlor, machten sich erneut Siedler auf, um die alte Welt wiederzuentdecken.

So waren es die Danjaby, die als erste den Feldbau wiederentdeckten und begannen die weiten Ebenen in der Nähe von kleinen Wäldchen und Hügeln zu besiedeln. Die Ethíel zog ihre Natur zurück in die Wälder. Sie lebten auch weiterhin zurückgezogen und verließen ihre Wälder nur selten, doch den dunklen Untergrund, bertraten sie nie wieder. Die Dûrgen begannen erneut Minen zu erschliessen und Hopfen an der Oberfläche anzubauen, um erneut die besten Bierbrauer hervorzubringen.

Und Raren staunte nicht schlecht, als sie ihre Schöpfung, die Danjaby, in den Tälern und auf den Gipfeln hoher Berge wiederentdeckte. Ihre Freude ward grenzenlos und sie schenkte denen, die es im Gebirge schwer hatten, Flügel, auf dass sie eine blühende Zivilisation aufbauen sollten. Und die Danjaby freuten sich und besannen sich erneut den Göttern und dem Himmel. Und nun, da sie fliegen konnten, nannten sie sich Aetherie, das Wolkenvolk. Der Glaube der Aetheri wurde fortan von der Huldigung der Sonne dominiert. Die Tatsache, dass sie die Kunst des Fliegens erlernten und sich so in die Lüfte erheben konnten, machte sie sicher, dass ihr Volk der Sonne näher steht als jegliche anderen Völker. Das brachte einige Anziehungsgefühle zu den Ethíel, da jene auch an die Symbole des Himmelfirmaments glaubten, wie an die Sterne, den Mond und eben die Sonne.

Als Mera erblickte, dass das Gute wieder Einzug hielt, wollte auch sie etwas zur neuen Welt beitragen. Nicht zuletzt, um den Nasthíel einhalt zu gebieten. Und so schuf sie, unweit den dunklen Wäldern der Nasthíel, in einem grossen Sumfgebiet, eine neue Rasse. Sie nahm den prächtigsten Fisch und die größte Echse die zu finden war und vereinte sie. So entstanden die Draken. Doch sie erkannte sie schwach und hilflos. So bat sie Theral um Hilfe. Er betrachtete die Draken und sah sie schwach und verwundbar. Also schmiedete er ihnen aus den Schuppen einiger Drachen eine Haut, härter, als jede andere und er lehrte den Draken die Kunst des Krieges, auf dass sie keine Angst haben mussten vor den Nasthíel. Doch Mera besann sich, denn sie wollte etwas Gutes schaffen und so lehrte sie die Draken ihre Weisheit und ihre Friedfertigkeit, auf dass sie nicht sinnlos morden gingen.

Und als Altan sah, wie sich die anderen Götter an den Rassen vergingen und er sah, dass die guten Rassen den Nogreni und den Nasthíel zahlenmässig weit überlegen waren, besann er sich auf seine einstigen Diener, die Vargash und die Dimortii. Getrieben von der Hoffnung und dem Glauben, dass auch sie überlebt hatten, schickte er seine Späher aus der Unterwelt los, sie zu suchen. Und er trieb sie an und ließ jede Höhle, jedes Versteck zweimal erkunden. Und tatsächlich, nach Monaten der Suche und der Enttäuschung fand er sie wieder. Erst die Vargash und dann, unweit von ihnen die Dimortii. Er legte erneut einen Zauber über sie und besann sie ihren Glaubens und ihren Könnens. Und als das getan war, schickte er auch sie an die Oberfläche, um diese zu beherrschen und ihm erneut ein prächtiges Schauspiel zu bieten.


Text written by Thomblin