"Das Schicksal steht in den Sternen"

Aus Elygor
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Eintrag vom 44. Wintertag des Jahres 702

Der Wind trägt einen Duft heran, der mir Schlimmes flüstert. Lange habe ich nachgedacht, und als der Menschensohn einen Botschafter in meine Hallen entsandt hatte, da stand mein Entschluss fest.

Tassadars wandelnde Toten streifen durch die Ebenen der Menschen, haben auch unsere Grenzen zu unseren Wäldern durchdrungen und ziehen einen verwesenden Pfad hinter sich her. Grausam haben sie NîGulGartanos Stadt Dras-Leôna belagert und marodiert, Medolars und Doraìls Truppen angegriffen und zahlreiche Brüder und Schwestern sind unter den Seelenschändern gefallen.

Wehrlose, Frauen, Kinder und Alte sind in Meras Hallen eingezogen, nur um die Habgier der Untoten zu dienen. Trauern tun wir nun um die Gefallenen und schenken tun wir den Verwundeten Heilung. Den geschändeten Elfinnen sprechen wir Trost zu und geben ihnen neue Obdach und Liebe. Klagelieder hört man nun und eine gefährliche Dunkelheit lauert in unseren Landen.

Und der Vorbote des Krieges wurde ausgesandt und liegt in der Luft, verkündet Tod und Verderben. Das Schicksal steht in den Sternen geschreiben und hat bestimmt, dass wir Elfen mit den Menschen gemeinsam in die Schlacht ziehen werden.

Von den Schmieden steigt nun Rauch auf und noch mehr Ambosse werden herbeigeschafft. Das Klirren neben den entfachten Essen ist weit hinhallend. Den Krieg haben wir denen erklärt, die Schlimmer sind als Seuchen, Leid verkörpern wollen und die Klaue des Todes nach uns strecken.

Mera schütze uns,
die 6. Stunde des Lichts am 44. Wintertag des Jahres 702,
Aus Ília Âlanur,
Aufzeichnungen Oromis’


Eintrag vom 15. Frühlingstag des Jahres 703

Dunkelheit umschlingt meine Stadt. Die Wächter auf dem Wehrgang der Mauer sichteten heute, der 8. Stunde der Finsternis am 15. Frühlingstag des Jahres 703, eine Horde wandelnder Toten des Untotenfürsten Tassadar und nun ist auch eine von Baal zu ihnen gestoßen. Dragoner, so nennen sie sich, schätzungsweise 50 bis 100 an der Anzahl, verstecken sich zwischen unseren Bäumen. Der Boden ist verwest, mit Blut getränkt und Leichen bedecken den Waldboden. Krieger Rémolas sind vor einer Stunde gefallen. Nun laben sie sich an deren Seele und wir trauern um sie. Sie haben unseren Zorn geweckt und bald wird es soweit sein, und wir werden wie eine Knospe ihre Blüten an einem Frühlingstag entfaltet, sie in den Abgrund des Todes stoßen. Die Zeit läuft gegen uns, doch vollbrachten wir an diesem Tage vieles. Rauch und Qualm tänzelt aus den Schmieden, die Essen sind entfacht und die Ambosse geben immer und immer wieder taktvoll den Klang der Berührung von Stahl auf Stahl. Die Krieger rüsten sich und bereiten sich auf eine Schlacht vor, denn ich bin mir gewiss, dass die Seelenschänder unser geliebtes Ília Âlanur belagern werden. Noch immer hört man Klagelieder durch die Stadt hallen, denn das Blut unserer Brüder und Schwestern ist noch nicht getrocknet.

Mera schütze uns,
der 8. Stunde der Finsternis am 15. Frühlingstag des Jahres 703,
aus Ília Âlanur,
Oromis’ Aufzeichnungen


Eintrag vom 32. Frühlingstag des Jahres 703

Wir schreiben die 1. Stunde der Finsternis am 32. Frühlingstag des Jahres 703. Die heutige Nacht ward grauenvoll. Aus den entfernten Winkeln unseres Waldes hatte man schon die unheilvollen Geräusche der Waldkreaturen vernommen, die meine Elfen herangebracht haben. Dennoch ließen wir sie an ihren Ketten, denn Rémolas’ Salái haben die feindlichen Horden vernichtet. Die kommende Belagerung, die ausgelöst wurde durch die Dummheit eines Narren und der Habgier Tassadars, wurde aufgehalten. Zwischen den Bäumen der Wälder liegen Leichen, Elfen sowie auch Altans Ausgeburt, und Blut tränkt den zertrampelten Boden. Der Wald weint, die Bäume sagen mir es. Das Gesetz dieser Wälder lautet, einen toten Krieger für jeden gebrochenen Zweig, und dies haben wir vollbracht. Jeder tote Bruder, jede geschändete Elfe, alle wurden sie gerächt. Keine Zeit hatten die vom Tode Zurückgekehrte, um sich an den Seelen unserer gefallenen Brüdern zu laben. Die Schlacht um Ília Âlanur ist geschlagen und die Elfen haben gesiegt, doch haben wir Acht, denn nun ist Tassadars Zorn noch größer, dies vermag mir der Wind zu flüstern. Mera danken wir, denn sie hält ihre schützende Hand über uns!

Mera schütze uns,
1. Stunde der Finsternis am 32. Frühlingstag des Jahres 703,
Aus Ília Âlanur,
Aufzeichnungen Oromis’


Eintrag vom 31. Herbsttag des Jahres 703

Die Anzahl der Feinde hat mein Heer der Behemoth vernichtet. Die Bestien wurden an Ketten von Elfen geführt, nach Ília Âlanur wäre ihr Weg gegangen, doch wurden sie von Tassadar`s Seelenschänder niedergestreckt. Die gewaltigen Kadaver der Waldkreaturen wurden mitsamt ihren Meistern von den wandelnden Toten mitgeschleift, denn sie sind abgezogen. Diese Horde war riesig, größer als die Bisherigen…

Meine weißen Sendboten hatte ich losgeschickt, denn in den Hallen des Orakels des Lichts wurden Entscheidungen gefasst. Die Menschen hatten Fehler gemacht, die wir nicht dulden können. Uns Elfen wollten sie als Werkzeug für ihre Kriegstreiberei benutzten, das war der schlimmste Fehltritt der Menschensöhne. Auch wollten sie den Krieg mit den Brennenden Legionen, den wir ihrer Bitten angefangen haben, weiter ausreichen und diesmal bis zum Zwist mit dem Dunklen Bündnis Arûnas und dem Clan der Shalyn Falah weiten. Der Clan wird von einer Elfe angeführt und auch andere unseres Geblüts befinden sich in ihm. Und meine Klinge kann ich nicht gegen sie erheben, soweit sie ihren Pfad als erleuchteten Weg ansehen. Manche ihrer Absichten sind mir gewiss, doch auch wenn sie unserer Meinung nicht richtig sind, werden sie nicht von Altans Hand geführt. So haben wir das Band mit den Menschensöhnen und somit auch den Krieg aufgehoben, auch da wir den Sinn nicht vor Augen haben, der Menschen Waffen zu werden.

Die Wälder erholen sich langsam. Meinem Schicksal sehe ich mich nähern, doch ich weiß, ich werde ihm nicht entgehen. Der Hass in mir brennt und oftmals denke ich an nichts anderes. Die weißen Flammen werden immer mehr sichtbar und so verweile ich öfters hier und begebe mich nicht hinaus. Ich habe den Wind und die Bäume, die mir flüstern, und mein Gemüt beruhigen.

Lange denke ich nur. Oft kreisen meine Gedanken auch um die Heerscharen der Untoten, um die Zwerge, die in ihren Bergen ihren eigenen Wünschen und Arbeiten nachgehen, um den Menschensohnes seinen Worten, um die Elfe und deren Mitstreiter. Ich sehe öfters Bilder vor meinem inneren Auge, Bilder aus meiner Vergangenheit, aus dem Geschehen dieser Zeit und auch habe ich manch Bilder aus dem Kommenden erblickt. Ich weiß nun, Vision ist die Kunst, Unsichtbares zu sehen…

Mera schütze uns,
der 9. Stunde des Lichts am 31. Herbsttag des Jahres 703,
Aus Ília Âlanur,
Aufzeichnungen Oromis'


Eintrag vom 41. Wintertag des Jahres 703

Heute Nacht hatte ich wieder eine Vision. Ich sah die Bilder meiner Vergangenheit, flüchtige Ausschnitte davon. Die Geburt, meine Geburt. Es passt sich dem Gebilde des Kommenden an, ich werde ständig erinnert an das, was mein Schicksal ist. Auch wenn ich nicht in den Mirari blicke. Das Artefakt offenbart mir, das was ich sehen will, nicht das was ich zu sehen brauche…

Ich sehe durch den Mirari den Verrat des Elfen, und das Artefakt lügt niemals. Ich bin mir nun nicht weiters sicher, ob er im Herzen nicht dunkel ist, seine Vergangenheit ist mir auch nur Bruchteils bekannt, denn von seinem Volke ist er der Letzte, jeglich Schriften erzählen hier und dort etwas, von großer Wichtigkeit jedoch nicht. Den Krieg hatte er schon einmal entfacht, mit den Menschen gemeinsam, so wollte es das Schicksal. Ich verzieh ihm diese Tat, doch nun beginnt er wieder, eigenmächtig zu handeln und rebellisch zu sein. Er ist jung, zu jung, darum versteht er vieles nicht, denn seine Eigenschaften trüben seinen Verstand für die Wirklichkeit. Ich halte meine Hand noch am Schwertknauf, bevor ich das Urteil spreche und meinen Zorn walten lasse.

Dennoch hab ich auch Gutes erfahren, heute fanden sich die ersten Krieger bereit. In den Kasernen und den Übungsplätzen schulen sie sich. Die Bogenschützen und die Klingentänzer gehen mit ihren Waffen meisterhaft um, dies hat mir Eladamri Kund getan, und meine Augen bestätigen es ebenfalls. Ich vertraue Eladamri, er ist mir schon in all seiner Lebzeit treu gewesen und ich bin gewiss, dass er der richtige Heerführer der Llanowar ist. Bogen so wie Klinge ist ihm bisher immer gefolgt, denn durch seinem Munde hallten meine Worte.

Ob Krieg bald wieder in unsere Wälder heraufzieht? Ich weiß selbst nicht, wann ich den Weg zu meinem Schicksal öffnen werde. Er betrifft nicht nur mich, dies ist mir bewusst, darum darf ich nicht vorschnell handeln…

Mera schütze uns,
der 9. Stunde des Lichts am 41. Wintertag des Jahres 703,
Aus Ília Âlanur,
Oromis’ Aufzeichnungen


Eintrag vom 50. Wintertag des Jahres 703

Ich habe mein Urteil gesprochen, ich habe Doraìl verstoßen. Meine Gedanken kreisen jedoch nicht um ihn, da mich Unheil verkündendes beschäftigt.

Eine Armee von Celêdain wurde vernichtet. Als ich erfuhr, wessen Mannen unsere Brüder abgeschlachtet haben, ward mein Blut in Wallung geraten. Er, Tannim, hat seiner Legion der Verdammten den Befehl zum Angriff erteilt. Ich weiß nicht, was ich nun tun soll. Der Weg meines Schicksals hat sich bereits eröffnet, von selbst, und dies habe ich nicht vorausgesehen. Ich hatte das Geschehen nicht einmal in meinem Sinne, dass er ein Heer der Elfen angreifen würde, dazu noch eine der Unsrigen. Ich konnte deshalb diesen Schritt dem Mirari nicht entlocken, was meinen Zorn noch mehr entfacht hat, denn die Wut auf meine Unachtsamkeit vermengt sich scheinbar mit der auf Altans Sohn.

Mein Herz brennt förmlich, ich spüre den brodelnden Hass in meinem Herzen, in meiner Seele, heißer als eine Esse einer Schmiede der Zwerge, größer als deren Gebirge. Ich betrachtete mein Spiegelbild in meiner Klinge und sah die weißen Flammen in meinen Augen höher tänzeln als sonst. Um mich zu vergewissern, besah ich dieses Bild meiner selbst auch im Mirari, und wahrlich, es besagt wie ein Omen, dass es bald soweit sein würde…

Mera schütze uns,
der 11. Stunde des Lichts am 50. Wintertag des Jahres 703,
Aus Ília Âlanur,
Oromis’ Aufzeichnungen


Eintrag vom 2. Frühlingstag des Jahres 704

Nun ist es geschehen. Den Krieg hab ich ihm, Tannim erklärt, und so beschreite ich den Weg meiner Bestimmung. Der tödliche Tanz beginnt also. Ich habe Schriften in der geheiligten Tempelbibliothek meiner Mutter entdeckt, Aufzeichnungen meiner Geburt und meines Schicksals, oder doch besser, Prophezeiungen? Ich weiß es nicht, dennoch, hier, in der Stille, vor dem flackernden Licht der Kerze, übertrage ich diesen Text aus dem Buche Mera’s in meine Aufzeichnungen…


- Buch Mera (Genesis), 10/169/2, Blatt 1

Und es ward, als die Orks und Untoten willkürlich mordend durch die Landen zogen, Hass, Tod und Furcht verbreiteten und die Elfen sich in ihren Wäldern versteckten und Schutz suchten. Denn man erfuhr, dass Tannim, der erste Leibesgeborene Altans, geschaffen wurde und nun in Arûna weilte und sich die Weltenscheibe Untertan zu machen versuchte.

Er, dem die Rache zugesprochen sei, hatte dem Elfenvolke das Unheil schon verkündet. Ihnen würde Leid zugefügt werden, und deren Kinder, und ihres Kindern Kinder, foltern würde man sie alle, bis sie an ihre Grenzen kommen würden und um den Tod flehen, bis dieser langsam und qualvoll kommt und ihr Geschrei erstickt, wenn der letzte Lebenshauch aus ihren Körpern entflieht...

Und doch, Mera, die Schöpferin der Elfen und Göttin der Weisheit und des Wassers, hatte erkannt, dass mit dem Erstgeborenen Sohn Altans das Unheil und der Untergang sich wie ein Schleier über Arûna legen wird, als sie wieder einmal den stillen Wind durch ihre geliebten Wälder flogen ließ, und seinem Flüstern und dem Rascheln der Blätter lauschte. In dieser Nacht, nachdem sie das Glitzern der Sterne betrachtet hatte und die Mondsichel hoch am Zenit stand, als die erste Zeit des neuen Tages anbrach und doch noch der Nachthimmel die Himmelsdecke in tiefes Schwarz hüllte, als die meisten Lebewesen schliefen und nur die Nachtvögel auf Jagd waren, in dieser Nacht, da zeugte sie ihrerseits ein Kind. In ihrem See, mitten in den geheiligten Hain ihrer goldenen Wälder, als sie im Wasser schwebte und die innewohnenden magischen Kräfte sie umspielten, dort gebar sie ihr Kind.

Und Engel erschienen mit leuchtender Aura und hatten Teil an der Geburt ihres Kindes, wunderbare Wesen, die Elfinnen glichen, mit langen Haaren, spitzen Ohren und vollkommenen, nackten Körpern mit strahlend weißen, riesigen Flügeln. Als ihr Kind geschaffen ward, ein Sohn, da sah man, dass das Wasser von seiner Haut abperlte und nicht schrie wie andre Neugeborene. Die wunderschönen Engelswesen küssten den Jungen, Menschen und andere Völker würden meinen, sie seien verrückt oder geistig verwirrt ein Neugeborenes wie einen Geliebten mit ihren Lippen zu verwöhnen, ihre Liebe zu offenbaren, und dies mit sichtlicher Hingabe, doch dies ward das Zeichen, dass sie ihm huldigen würden.

Und ihren Sohn nannte Mera Oromis, er solle das Licht schützen und die drohenden Schatten Arûnas aufhalten, denn an ihm lag es, auf dem Pfade seiner Mutter zu wandeln und seiner Bestimmung zu folgen. Denn die Bestimmung lag darin, den Herrn der Rache von dieser Weltenscheibe zu bannen und ihn des Todes zu weihen, denn dessen Vaters Schwester zeugte den, dem sie dessen Untergang aufgetragen hatte. So trug dieser den lodernden Hass in ihm, der sichtbar in seinen Augen wie weißfarbiges Feuer brannte, und Mera, seine Mutter, konnte es in den Augen ihres Sohnes erkennen, und dieser Hass galt allem Dunklen, Altan und vor allem dessen Sohn Tannim. Keine Gnade soll er walten lassen bei ihm und dessen Untertanen, jeglicher finsteren Brut Altans, und die noch nicht von ihm Versklavten soll er schützen, denn nicht alle sind frei die ihrer Ketten spotten. Denn Gnade wandelt die Stärke des Siegers in Schwäche. Und sie trug ihm die Ägide des Lichts auf und schickte ihn nach Arûna, dort hin, wo auch er, Tannim, weilte und seinerseits auf dem Pfade seines Vaters wandelte.

Und jegliches verzweifelte und trauernde Wesen, das im Dunkeln dämmert, wie des Winters Nachthimmel ohne Sterne, jeglich solches Geschöpf, das Meras Sohn traf, verspürte wieder Hoffnung für diese dunkle Welt und erkannte die lodernde, weiße Flammen und das strahlende Licht in seinen Augen...


Ich weiß nicht wie, aber dieser Text beschreibt meine Vergangenheit haargenau, bis ins kleinste Detail. Ich fühle mich in diese Zeit versetzt, wenn ich ihn lese. Ich denke, von diesen Schriften gibt es nur wenige und hoffe auch, dass dies so bleibt. Es soll nicht jedes Wesen wissen, wer ich bin, warum ich hier bin, was mein Schicksal ist…

Mera schütze uns,
der 1. Stunde des Finsternis am 2. Frühlingstag des Jahres 704,
Aus Ília Âlanur,
Oromis’ Aufzeichnungen


Eintrag vom 37. Frühlingstag des Jahres 704

Im Mirari hatte ich gesehen, wie Doraìl nach Aeskulap ging und vor Tannim sein Haupt neigte, um Einlass in dessen Allianz gewährt zu bekommen. Ein schwerer Fehler Doraìl’s, meines verhassten Feindes in die Knechtschaft zu gehen.

Ich gab den Befehl zum Angriff auf seine Stadt Síndûl. Die Heerschau begann, als der Morgen graute. Die Zahl der Krieger war gewaltig. Bogenschützen sah man überall, doch auch von Klingenkämpfern war nicht abzusehen. Eladamri führte die Streitmacht in die Schlacht, an seiner Seite die Heerführer der anderen Fürsten der Ägide des Lichts, Lioran Windseher, der Heerführer Aurelions, Dónan, der Heerführer Rémolas’, Mangus Sertius, der Heerführer Jefaridas’ und einer der Weisen Elfen Dinuìl’s .

In einem langen Heeresszug marschierten die Elfen los. Die gewaltige Kolonne hielt in den Wäldern vor Síndûl an, Zelte wurden aufgebaut, Krieger und Bogenschütze nahm Stellung vor der Stadt. Die Belagerung Síndûl’s hatte begonnen, Salve um Salve schossen die Bogenschützen über die Zinnen der Wehrmauer. Mit Rammböcken versuchten wir das Tor aufzubrechen, aber vergeblichst. So gab Eladamri, als er merkte, dass die Belagerung ins Stocken geriet, den Befehl, die Llanowar sollen in die Stadt eindringen und ihnen das Tor öffnen. Einen ganzen Tag lang, suchten Kundschafter nach einer Schwachstelle der Wehrmauer. Und siehe da, als der Mond hoch am Zenit stand, da drangen einige ein und öffneten von innen aus das Tor. Die Krieger strömten hinein, Bogen sowie Klinge vollbrachte ihren tödlichen Zweck. Jeder, der sich ihnen in den Weg stellte, war des Todes.

Der erste Ring der Stadt ist genommen. Die Streitmacht zog sich in das Lager zurück, nur das meinige Heer und das des Fürsten Rémolas blieben als Besatzungstruppen. Zwei mal schon kam aus dem zweiten Ring eine Armee, doch wurden sie mit Leichtigkeit vernichtet. Blut tränkt den steinigen Boden der Stadt, Leichen liegen verstümmelt.

Ich bekam vor Kurzem einen Boten gesandt, mit einer Kriegserklärung Doraìls. Ich musste schmunzeln, als ich die Nachricht las. Den Dunkelelfen, der mir das Manuskript überbrachte, köpfte ich mit meiner eigenen Klinge. Den Kopf schickten wir ihm zurück, als Bestätigung der erhaltenen Botschaft. Ob sein Haupt auch bald Körperlos sein wird? Wird Tannim, an dessen Macht ich nun schon zu zweifeln beginne, kommen, und seinem Diener zu Hilfe eilen? Ich weiß nicht, ob wir Gnade walten lassen werden, doch jetzt gewiss noch nicht, denn die Flamme meines Zorns ist noch groß…

Mera schütze uns,
der 3. Stunde des Lichts am 37. Frühlingstag des Jahres 704,
Aus Ília Âlanur,
Oromis’ Aufzeichnungen


Eintrag vom 47. Frühlingstag des Jahres 704

Doraìl sieht ein, dass er gegen unsere Macht keinen Widerstand leisten kann. Die Besatzungstruppen haben jegliche Armeen von ihm niedergestreckt, täglich drangen immer und immer wieder unsere Heere ein und plünderten den verlassenen ersten Ring. Feigheit und Angst lag in der Luft. Sie sind irgendwie aus der Stadt geflohen, die Überlebenden des Massakers. Mir ist dies noch unklar, doch fanden wir den zweiten Ring, als wir eindrangen, verlassen. Ich weiß nicht ob ich einer Llanowar Legion den Befehl erteilen werde, die Flüchtlinge zu jagen und mir den Kopf Doraìls zu bringen, aber ich weiß, wohin sein Weg ihn führen wird. Er wird versuchen, nach Aeskulap zu fliehen und dort Unterschlupf zu finden. Tannim… viele schon zweifeln an seiner Macht, denn Ruhm und Ruhe sind zwei Dinge, die nicht zusammen wohnen können.

Die Besatzungstruppen sind abgezogen und fanden sich heute in Ília Âlanur ein. Nur ein paar Truppen bleiben noch als Nachhut und beobachten weiteres Geschehen. Ruhmreich wurde der Heereszug empfangen, die Belagerung Síndûl’s ward erfolgreich und die Stadt liegt nun in Asche und Trümmern. Niedergrissen haben sie Gebäude, Feuer gelegt und dem Spiel der Flammen überlassen…

Mera schütze uns,
der 2. Stunde der Finsternis am 47. Frühlingstag des Jahres 704,
Aus Ília Âlanur,
Oromis’ Aufzeichnnugen


Eintrag vom 37. Herbsttag des Jahres 704

Gardoir hat sich Doraìl angeschlossen und ging von uns. In Ília Âlanur zogen zwei seiner Armeen ein, die dann anfingen, Behausungen auszuplündern und niederzubrennen. Die Llanowar Legion, die gerade in meiner Stadt gewesen ward, metzelte beide Armeen gnadenlos nieder, wie ein orkisches Schlachtfest ward es gewesen. Ich verstehe die Denkweise mancher Elfen nicht. Sie geben sich als Freund, und doch ist ihre Seele mit Hass und Verrat verwirkt.

Mein Hass auf solche entfachte sich weiter und ich sandte nun Jäger aus, um Doraìl und Gardoir aufzuspüren. Berichte erstatten mir, dass die Jagd aber vergeblich ist. Schlimme Zeiten kommen auf uns Elfen zu. Für jedes Geschehen unter den Sternen gibt es eine bestimmte Zeit. Zeiten für die Klage, und Zeiten für den tanz. In unserem Falle, sehe ich nur die der Klage.

Der Mirari offenbarte mir noch viel. Die Seelenschänder Tassadars überfielen die tapferen Zwerge Boradors. Nun erhebt sich auch das Volk aus den Bergen und ich hoffe, sie sehen nun mit wachsamen Augen. Denn obwohl der Herr von Throal meinen Stolz verletzte, hege ich keinen Zorn auf ihn. Ich will nicht auch die Zwerge leiden sehen, doch vermag ich nichts zu tun. Sturheit und Stolz sind die fähigsten Waffen eines Zwerges, abgesehen von der Axt, der einem solchen schon als Neugeborenes in die Wiege gelegt wird…

Mera schütze uns,
der 6. Stunde der Finsternis am 37. Herbsttag des Jahres 704,
Aus Ília Âlanur,
Oromis’ Aufzeichnungen


Eintrag vom 45. Wintertag des Jahres 704

Ich bekam heute Kund eines Menschnsohn, er ward Bote, und dessen Herr sandte uns den Segen Rarens und Bramas. Ein Heer Doraìls zieht mordend durch die Windberge, es überschreitet auch oftmals den Sketaro und dringt an die Grenze Rimons-Klinge. Wir kennen den Menschensohn nicht, dennoch entlockten wir seiner Botschaft den Hilferuf und ich entsandte meine Llanowar Legion in die Windberge.

Schnell wie der Wind kamen sie voran, und der 8. Stunde der Finsternis umrundeten sie die Gewässer des Sketaro. Menschendörfer fanden sie viele an Zahl in den Windbergen und in einer flachen Ebene zwischen zwei solchen Siedlungen fanden sie die feindliche Armee. Aus einem Wald, an dessen Rande die feindliche Armee rastete, regnete es alsbald Pfeile, die ihr tödliches Werk vollbrachten.

Sie haben die unbekannten Menschensöhne gerächt, und auch jene nicht vergessene elfische Brüder, die Zeiten zuvor durch die Klingen seiner Männer gefallen waren…

Dem Mirari entlocke ich einer Schlacht an der Kristallbucht, die wandelnden Toten Tassadars und die Krieger des zwergischen Bundes stehen sich voller Hass gegenüber. Einige Male schon haben die verfluchten Kreaturen nördlich den See überschritten und Gemetzel fanden statt. Nun herrscht Krieg in den Zwergenlanden und in den unsrigen Wäldern und Ebenen…

Mera schütze uns,
der 2. Stunde des Lichts am 45. Wintertag des Jahres 704,
Aus Ília Âlanur,
Oromis’ Aufzeichnungen


Eintrag vom 47. Frühlingstag des Jahres 705

Mera hat diesen Tag gut geheißen. In der Abenddämmerung bemerkten die Wachposten eine feindliche Armee Vanirs, eines Dunkelelfen, der alsbald wahrscheinlich in Tannims Knechtschaft gehen wird. Ich schickte die Llanowar Legion aus und Vanir’s Heer flüchtete aus unseren Wäldern. Die Llanowar verfolgten sie auf meinem Befehl hin, bis vor Vanir’s Stadt, als der Morgen graute. Dort verschwand die feindliche Armee in eine der nahe gelegenen Wälder, die Kundschafter konnten sie nicht mehr finden. So bereiteten wir uns im Wald vor der Stadt auf einen Hinterhalt vor, denn uns war gewiss, sie würden heimkehren.

Und nach einigen Stunden, siehe, da kam das Heer und hielt auf die Stadt zu. Als sie in unseren Hinterhalt gerieten, schnellten Sehnen und surrende Pfeile verrichteten ihr tödliches Werk. Keiner der seinen überlebte, doch die Gefahr ward nicht vorüber, denn aus der Stadt ließen Schützen Pfeilhagel auf die Llanowar niederprasseln. Wie ein dunkler Regen, der nur tödliches herbeibrachte, ließ er sich auf uns nieder. Die Klingentänzer konnten dem nicht entkommen, doch die Llanowar Bogenschützen gingen zum Angriff über und die Dunkelelfen auf den Wällen stürzen in den Tod.

Eine Lehre soll es ihnen sein, jenen, die sich dem Dunklen verschrieben haben und Tannim Untertan sind. Im Herzen sind sie unrein und ihre Seelen schwimmen in schwarzem Nebel…

Mera schütze uns,
der 6. Stunde des Lichts am 47. Frühlingstag des Jahres 705,
Aus Ília Âlanur,
Oromis’ Aufzeichnungen


Eintrag vom 20. Frühlingstag des Jahres 706

Lange hab ich diese Schriften nicht mehr beschrieben, denn viel ist passiert. Eine große Schlacht hatte stattgefunden, wobei Jefaridas und Ardens Animas Mannen das Gebiet um Ília Âlanur besetzten. Elfenkrieger scharten sich um ihre Heerführer und zogen hinaus, um die dunklen Legionen vor unserer Pforte zu zerschlagen. Doch jede Armee versank im Dunkeln, bis Saphies Krieger kamen und Ardens Animas Seelenschänder niederstreckten. Jefaridas ergriff die Flucht im Angesicht des zahllosen Feindes. Und als die siegreichen Elfenkrieger wieder hinter den Mauern Ancarias waren, weit fort von hier, da kamen sie wieder. Doch wieder waren wir nicht allein in dieser dunklen Stund, denn Menschen, denen meine Llanowar Zeiten zuvor geholfen hatten, kamen und schlugen die Horde in die Flucht.
Dies war der Tag, an dem wir Elfen mit diesen Menschen, der Imperialen Föderation, ein Bündnis besiegelten. Seite an Seite sollen wir kämpfen, wenn Krieg uns ereilt, und unsere Handelswege sollen erhalten bleiben.

Wir Elfen des Westens lieben unseren Silbernen Spalt und deren Wälder, und nun meinen einige Menschen, die sich selbst Paladine nennen, der Silberne Spalt gehört jedwedem Menschensohn. Lieber lassen wir unser Haupt abtrennen, als den Silbernen Spalt als der ihren anzusehen. Er ist unsere Vergangenheit, sowie wir ein Teil seiner sind.

Der Elfen ihr Zorn ist entfacht worden, doch ist die Flamme nicht hoch, denn wir versuchen sie unter den Worten der Paladinen zu ersticken. So haben wir sie gewarnt, fern von unseren Wäldern zu bleiben und ohne Befugnis unser Reich zu betreten. Ihr heißes Blut verbrennt ihren Verstand und sie meinen, sie werden zu jeder Zeit eindringen, wenn sie es für nötig halten. Hinter ihren Worten verstecken sich die Unwissenheit und die Prahlerei, die Worte, sie sind für uns jedoch bedeutungslos, nur das Rascheln des Laubes ist die einzige Sprache, die Sinn ergibt. Es ist ihre Entscheidung, in unsere Wälder zu gehen, aber es ist unsere Entscheidung, ob sie diese auch verlassen…

Mera schütze uns,
der 5. Stunde des Lichts am 20. Frühlingstag des Jahres 706,
Aus Ília Âlanur,
Oromis’ Aufzeichnungen